zielloser Leistungsdruck
Der Alexander schreibt im jurabilis bLAWg mal wieder ganz weltfremde Sachen über den Leistungsdruck bei den Geisteswissenschaftlern.
“Diverse ASten haben ja bereits mehrfach das Ende der Notenvergabe an den Universitäten verlangt (schließlich kommt so der böse Leistungsdruck in die sonst so friedliche Welt der Geisteswissenschaften) :-)”
[jurabilis - bLAWg - Alexander Hartmann: ''Schulnoten werden immer eine Rolle spielen'']
… diejenigen, die mich halbwegs regelmäßig lesen, wissen ja, dass ich als 2. Nebenfach Informatik studiere und schon ziemlich am kämpfen bin, was meiner Meinung nach zu einem nicht geringen Teil auf den Leistungsdruck zurückzuführen ist.
In meinem Hauptfach Medienwissenschaften ist es so, dass es nahezu keinen Leistungsdruck gibt. Klausuren sind selten und Leistungsnachweise werden meist durch Referate oder Hausarbeiten erbracht. So hat man genug Zeit sich in seinem persönlichen Tempo in das Thema einzuarbeiten, bei manchen Themen ein bisschen länger zu verweilen, dafür andere ein wenig zu vernachlässigen und kann sich so seinen individuellen Schwerpunkt bilden.
In Informatik muss ich wöchentliche Übungszettel abgegeben, auf denen ich insgesamt 50% aller möglichen Punkte erreichen muss. Zeit sich in Themen einzuarbeiten oder sie zum Teil überhaupt zu verstehen, bleibt da nicht. 1 der 4 Aufgaben macht man selbst, 2 findet man über google und 1 schreibt man ab. Die eigentliche Bildung geht im Leistungsdruck unter.
Interessant fand ich auch kürzlich das Gespräch zwischen zwei Jura Studenten, die bei mir im Wohnheim wohnen. So hiess es im Dialog, dass man seine Aufzeichnungen oder seine Hausarbeiten auf gar keinen Fall Kommilitonen leihen solle, schliesslich könnten die ja was draus lernen und ihre Note dadurch verbessern…
Das resultiert aus Leistungsdruck.








Willkommen in der neoliberalen Hochschule. Wir sind doch schliesslich alle nur Humankapital und um die Bildung gehts beim B.A. ja nun wirklich nicht mehr…
Das deckt sich ja in etwa mit deinen anderen Erfahrungen von Juristen (ich erinnere mich da Dunkel an irgendeine Klausur wo jemand seine Kommilitonen mit voller Absicht "auslud". Hatte ich von dir, oder?)
Ohne jetzt in die gehässige Kiste greifen zu wollen, würde ich auf sowas einfach mal erwidern, dass es doch in der Eigenverantwortung des/der Studis liegt, seine Bildung zu gestalten. Der Arbeitsmarkt soll später regeln (und das wird er auch), wer viel und gut gelernt hat und nicht irgendwelche hirnrissigen Noten. Erlebe das z.Zt. bei mir selbst, wie zum Teil Noten vergeben werden, da selbst die Damen und Herren Proffesoren nichts davon halten, aber insbesondere jetzt durch die neuen B.A. und M.A. Studiengänge vermehrt dazu gezwungen werden, Studis irgendwie untereinander abzustufen.
Für mich erweckt das ganze den Eindruck, als ob solche Leute gar nicht früh genug anfangen können mit den Ellenbogen zu arbeiten. Eine solch unnötige Konkurrenz im Studium lässt mich (fast) nur auf Geltungssucht schließen. Rational ist das zumindest nicht, auch von wegen keine Unterlagen (-> Geheimwissen) teilen. Solchen Leuten geht es mehr um ihr eigenes Ego und ihren eigenen "Ruhm" als darum etwas zu lernen. So Leute verteidigen auch Positionen, von welchen sie wissen, dass sie absolut falsch sind, solange sie sich damit präsentieren können und keiner in der Lage ist die Blenderei aufzudecken.
Das solch Verhalten inzwischen schon bei den Studis angekommen ist, macht mir ernsthaft Sorgen, denn es dient mehr der persönlichen Eitelkeit als dem kritischen Diskurs. (welcher auch in der Rechtswissenschaft, das A und O sein muss!)
Um es kräftiger auszudrücken: Solche Nasen sollten sich meiner Meinung nach mit Bodybuilding beschäftigen und aus ihren Muskelbergen ihr inadäquates Selbstvertrauen ziehen (da können sie von mir aus auch ihren Trainingsplan wie ein Geheimniss wahren). In irgendeiner Wissenschaft sollten so Leute allerdings nichts zu suchen haben. Es gibt kaum etwas schlimmeres wie Personen die lieber recht behalten wollen anstatt etwas zu lernen.
Zu der Thematik (Sinn von Leistungsdruck an Schulen/Universitäten) gibt es einen verdammt treffenden "Calvin & Hobbes"-Strip:
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