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Film noir Computerspiele

5. März 2007

Wie bereits erwähnt, habe ich letztes Semester eine Hausarbeit zum Thema “Film noir Computerspiele” geschrieben. Ich habe mir heute ein Kurzgutachten von Herrn Dr. Burkhard Röwekamp, Autor des Buches “Vom film noir zur méthode noire. Die Evolution filmischer Schwarzmalerei”, über die Arbeit abgeholt und kann sie daher hier ruhigen Gewissens online stellen.

Kapitel 1: Einleitung

Ob es sich bei Film noir um ein Genre, eine Stilrichtung, eine zeitliche Periode oder ein Phänomen handelt, ist eine lange anhaltende akademische Diskussion zu der diese Hausarbeit nur am Rande beitragen wird. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit gilt der remediation von Film noir. Der Begriff remediation ist von David Bolter entnommen und bezeichnet kurz gefasst „the representation of one medium in another“ (z.n. Davis 2002: S. x). Diese Hausarbeit wird sich folglich damit beschäftigen, inwiefern sich die Qualitäten des Film noir verändern, wenn man Elemente des Films in ein anderes Medium, nämlich in Computerspiele, transferiert.
Doch bevor eine Analyse dessen möglich ist, ist es zwingend notwendig das Verständnis des Autoren von Film noir zu definieren. Burkhard Röwekamp beschreibt in seinem Buch „Vom film noir zur méthode noir. Die Evolution filmischer Schwarzmalerei“ noir als „filmischen 'Eigenwert'“, der nur beobachtbar und beschreibbar ist, wenn „sowohl auf stilistischer (audiovisueller), erzähltechnischer (narrativer), thematischer (inhaltlicher) und semantischer (kultureller) Ebene hinreichend Verdichtungsmomente sind, die es ermöglichen, eine subjektivistische Atmosphäre existenzieller Angst und Bedrohung filmisch zu objektivieren“ (Röwekamp 2003: S. 201). Weiterhin führt er aus, dass besagter filmischer Eigenwert mehr oder weniger in einem Film vorhanden sein kann, abhängig von Qualität und Quantität besagter Verdichtungen auf einer der soeben genannten Ebenen.
Pragmatisch folgt daraus eher über noir Filme zu sprechen als über Film noir. Ein adjektivistischer Gebrauch des Wortes noir, erweitert den möglichen Erkenntnishorizont und umschifft Definitionsprobleme.
Im Folgenden wird auf zentrale Komponenten des noir Films eingegangen und diese erläutert. Danach folgt eine Betrachtung zweier ausgewählter Computerspiele. Hierfür wurde ein deskriptiver Ansatz gewählt. Um sich dem Thema zu nähern, wird die Werbung für die beiden Spiele näher betrachtet – hinsichtlich der eventuellen Anpreisung (oder ihrer Abwesenheit) von noir Qualitäten. Anschließend wird eine Analyse der Spiele auf thematischer, erzähltechnischer und audiovisueller Ebene durchgeführt, um den Spiel-immanenten noir-Gehalt festzustellen.
Im Fazit werden die Ergebnisse nocheinmal zusammenfassend dargestellt.

Die Hausarbeit ist als .pdf Datei hier erhältlich.

Die Hausarbeit ist hier nicht mehr erhältlich. Stattdessen wurde sie stark erweitert und publiziert. Der Beitrag ist umgezogen und kann nun hier angesehen und erworben werden.

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  1. 21. März 2007, 14:19 | #1

    Fahrenheit habe ich nur die Demo gespielt und es war ehrlich gesagt nicht mein Fall. Das Schema, nach dem die Handlungsmöglichkeiten funktionierten und damit Interaktivität vorgegaugelt wird, hatte ich auf Anhieb durchschaut – und fand das langweilig.

    Was die Debatte Narration vs. Ludologie betrifft, da nehme ich immer gerne einen Mittelpunkt ein, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass mir sowohl auf Narration zugeschnittene und damit eingeschränkte Spiele gefallen, als auch solche, die größere Freiheit vesprechen und dafür auf Handlung weitestgehend verzichten bzw. diese auf ein Mindestmaß reduzieren. Wobei mich aber doch Spiele mit guter und durchaus auch reichlicher Handlung immer etwas mehr angesprochen haben.

  2. admin
    20. März 2007, 21:40 | #2

    Danke für das viele Lob. :)

    Bezüglich der Analyse von Erzähl-Techniken muss ich Dir zustimmen. Es gibt wenige Spiele mit Erzählung bei denen diese wirklich elaboriert ist… (Was ist mit Fahrenheit? Das war doch angeblich auch sehr gut was Narration anbelangt?), aber ich würde das gar nicht so normativ sehen. Ich mein, die alte Debatte "Narratologen vs. Ludologen" ist Dir ja bekannt… Ein Spiel muss nicht narrativ sein, um gut zu sein. Den Ludologen zufolge sogar ganz im Gegenteil, da Narration i.d.R. gameplay einschränkt.

  3. 18. März 2007, 17:20 | #3

    Ich hab dank deiner Arbeit gerade einiges über Film noir gelernt und finde die Analyse der beiden Spiele unter diesem Aspekt sehr gut. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Tatsächlich wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, Grim Fandango als Film noir (bzw. Game noir) einzuordnen, während es bei Max Payne doch eindeutig ist.

    Leider gibt's meiner Ansicht nach in dieser riesigen Masse an Videogames kaum Spiele, die sich generell unter solchen Aspekten, die zu einer tieferen Interpretation und Analyse der verwendeten Erzähl-Techniken einladen. Oder mir ist es nicht bewusst. Aber das ist für mich ein Grund, warum ich seit einigen Jahren viele Spiele für anspruchslos und hirnlos halte und kaum noch irgendwas Neues spiele.

    In jeden Fall: interessante Hausarbeit und keep up the good work! Ich hab was gelernt und weiß, worauf ich mal achten werde, wenn ich die beiden Spiele mal wieder spielen werde.

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