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Kurzfilmtage Oberhausen: DEUTSCHER WETTBEWERB 1

5. Mai 2007

Mit der Erwartung nun mal etwas mehr klassisch narrativen Film zu erleben, wenn es sowas über haupt noch gibt, ging es für mich um 12:30 Uhr wieder los im Deutschen Wettbewerb 1. Die Hoffnungen wurden nur teilweise erfüllt. Die Auswahlkriterien der Jury sind aber auch nicht die einfachsten. In den Reihen Internationaler und Deutscher Wettbewerb prallt viel aufeinander. Experimentalfilm, Dokumentarfilm und szenischer Film. Mir ein Rätsel ist in diesem Zusammenhang vor allem wie hier Sieger gekürt werden sollen. Es dürfte schwer bis unmöglich (ich denke unmöglich) sein Bewertungskriterien zu finden, mit denen alle Richtungen zu greifen sind.

Und so hatte ich auch hier wieder mit einigen Filmen zu kämpfen, während andere richtig gut waren. Aus Zeitgründen werde ich ersteinmal nur die guten nennen. Die anderen finden ja vielleicht später noch ihren Platz.

LES TEMPS QUI CHANGENT (Thomas Oswald)

Eine massive, triste Plattenbaufassade. Die Kamera fährt zunächst ziellos die Front ab. Von Totalen geht es dabei in Halbnahe und wieder zurück in eine Totale. Schliesslich erscheinen auf einem der 5qm Balkone zwei männliche Figuren. Eine ältere, eine jüngere. Rotwein trinkend beginnen die beiden auf französisch eine Unterhaltung über ihre Generationen, das verstreichen der Zeit und Konflikte in ihren Leben. In welcher Beziehung die beiden zueinander stehen bleibt unbeantwortet. Die Unterhaltung endet mit der Feststellung, dass die Zeit zu schnell vergeht um alle Veränderungen registrieren zu können, geschweige denn sich mit diesen zu arrangieren. Und damit kommt Bewegung in die starre Szene. Die einzelnen Etagen des Plattenbaus fahren unvorhersehbar nach links und rechts, die beiden Protagonisten verlassen das Bild. Die Kamera zieht auf und all die Statik vom Anfang ist einer munteren Hin-und-Herfahrt gewichen. Wie einzelne, voneinander unabhängige Züge bewegen sich sämtliche Stockwerke auf der horizontalen Ebene. Der Raum den sie an den Enden freigeben wird nicht gefüllt, sondern weiss gelassen. Ist in etwa klar, was da passiert ist? Nicht sehr einfach das zu beschreiben. Aber es war schön. Eine Geschichte die sich nicht mehr Platz nimmt als sie braucht (5 Minuten), einen Überraschungsmoment am Ende parat hält und in der Dialog stattfindet (ist nicht die Regel bei den hier gezeigten Filmen).

HALBE STUNDEN (Nicolas Wackerbarth)

Die Hausherrin verabschiedet ihre Haushälterin in den Heimaturlaub. Die Wohnung macht einen kühlen, aufgeräumten Eindruck. Alles sieht nach Geld aus. Vor dem Abschied wird der Haushälterin noch von ihr unbemerkt der Schlüssel zu ihrem Zimmer entwendet. Und nun stellt sich Leere ein. Der Ehemann ist noch auf der Arbeit. Langsam und irgendwie müde bewegt sich die Hausherrin durch das totenleere Haus. Ein für seine ich nehme mal an Straftaten büßender und um Wiedereingliederung in die Gesellschaft flehender Fremder, wird von der Frau wieder des Grundstücks verwiesen. Ein knappes Telefonat mit dem bereits ausgezogenen Sohn. Schuhe putzen. Duschen. Das Zimmer des Hausmädchens inspizieren. Und wieder Tristesse. Dieser eher von seinen atmosphärischen Bildern getragene Film hat kein richtiges Ende. Der Mann kehrt schliesslich nach hause Die Frau weicht ihm aus und verlässt das Haus um vielleicht für einen kurzen Moment aus dem Käfig mit elektrisch verriegeltem Gartentor zu entfliehen. Aber eine Rückkehr in ihr Domizil scheint sehr wahrscheinlich. Wo soll man denn hin wenn man im gehobenen Mittelstand festbetoniert ist?
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