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ProtestBlog - Gegen Studiengebühren und Bildungsabbau in Hessen

Non-Linearität ergodischer Texte

12.08.2005 - 20:31:13 - Mike
"Hinsichtlich den traditionellen literaturwissenschaftlichen Konzepten nimmt Aarseth darüber hinaus auch Abschied vom Begriff der '(Nicht-) Linearität' von Texten. Denn wie er bemerkt, ist jede Literatur bis zu einem gewissen Maße unbestimmt und nichtlinear, und der Leser muss immer Entscheidungen treffen, um aus dem Text Sinn ziehen zu können. Damit knüpft er an Isers Konzept der 'Leerstellen' an, die als unbestimmte Felder innerhalb des Textes durch den Leser im Rückgriff (Retention) bzw. in der Vorausschau (Protention) konkretisiert werden müssen.

Dieser Akt der Erfassung des ästhetischen Gegenstandes des Textes durch den Leser ist zudem durch die im Text gegebene Struktur von Thema und Horizont organisiert, bei welcher der Leser in einem (mehr oder weniger individuellen) Entscheidungsprozess verschiedene textuelle Perspektiven und Motive sinnvoll verknüpfen muss. Durch dieses 'Springen' des Leserblickpunktes im Text, so Aarseth, kann ein Text in einem engeren Verständnis gar nicht wirklich 'nichtlinear' sein, da der Leser beim Lesen in gewissem Sinn immer seine eigene Linearität produziert, indem er nur die Möglichkeit hat, eine Textsequenz nach der anderen zu lesen. Und dementsprechend ist ein Kodex-Text wie beispielsweise das "I Ching"."
[Iser und Aarseth]

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"Auslassungen" in ergodischen Texten: "Denn beim Lesen eines Cybertextes wird der Rezipient stets mit ungegangenen Wegen, mit unzugaenglichen oder auch nicht genutzten Strategien oder ungehoerten Stimmen und ungesehen Bildern konfrontier...
12/08/05

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Kommentare

David schrieb:

<i>Durch dieses 'Springen' des Leserblickpunktes im Text, so Aarseth, kann ein Text in einem engeren Verständnis gar nicht wirklich 'nichtlinear' sein, da der Leser beim Lesen in gewissem Sinn immer seine eigene Linearität produziert, indem er nur die Möglichkeit hat, eine Textsequenz nach der anderen zu lesen.</i>

Das glaube ich auch.

Aber wenn wir von Nicht-Linearität sprechen, so meine ich jedenfalls, dann sprechen wir von Nicht-Determinismus; davon also, daß nicht von vornherein, also im Text/Drama/Spiel, festgelegt ist, was wann geschieht.

Mein Leben hat in meiner Erinnerung auch eine Reihenfolge. Deswegen glaube ich aber nicht, das in dieser Welt prinzipiell nur ein (mein) Leben möglich ist. Unmöglich ist aber der Eingriff in die Vergangenheit (bis jetzt). Jedes Leben hat deshalb (wahrscheinlich) *eine* Struktur; so im Falle von Text/Drama/Spiel auch jedes einzelne Lesen, Spielen, was auch immer.
13.08.2005 20:17:26

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