Wie ich ja bereits bei
Moe in den Kommentaren zu seinem Beitrag über die Videoüberwachung der Schulhöfe in Niederkassel schrieb, habe ich der Stadt Niederkassel eine mail geschrieben:
Sehr geehrte Damen und Herren,
so eben las ich im Internet (Quelle:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index_frameset.html?/news/artikel.php?id=97459)
, dass die Stadt Kassel "das Schulzentrum-Nord und die Grundschulen in Niederkassel per Videokameras überwachen" laesst.
Ich bin zutiefst bestuerzt ueber dieses Vorgehen der Stadt Kassel und muss mich stark wundern.
Interessanterweise behaupten sie ja nicht einmal mehr, dass es hier um Sicherheit gehe, sondern geben offen zu, dass es Ihnen gezielt um Verhaltenskontrolle geht ("Dabei gehe es weniger darum Kriminelle dingfest zu machen, als die Jugendlichen zu warnen..."). Man koennte dies wohl getrost als Versuch, das Verhalten und letztendlich auch das Denken von Kindern durch panoptische Videoüberwachung zu beeinflussen, bezeichnen. Aus pädagogischer Sicht ist dies ein absoluter GAU, und darüber hinaus eine Erklärung absoluter Inkompetenz der verantwortlichen PädagogInnen. (vgl. http://weblog.plasticthinking.org/item/2005/8/27/niederkassel-videoueberwachung-auf-dem-schulhof)
Im folgenden moechte ich Sie auf einige sehr interessante Studien zum Thema Videoueberwachung aufmerksam machen:
"Assessing the impact of CCTV", eine Studie des britischen Innenministeriums;
online erhaeltlich unter
http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs05/hors292.pdf
"TO CCTV OR NOT TO CCTV? A REVIEW OF CURRENT RESEARCH INTO THE EFFECTIVENESS OF CCTV SYSTEMS IN REDUCING CRIME" der Nacro (http://www.nacro.org.uk/), einer freiwilligen, unabhaengen Organisation, die sich in der Verbrechensbekaempfung einsetzt,
verweisen. Das Ergebnis der Studie:
"Videokameras taugen demnach weniger zur Abschreckung von Kriminellen als eine Straßenlaterne. Das Ergebnis deckt sich dabei laut Spiegel mit dem früherer Studien."
Sie ist online erhaeltlich unter
http://www.nacro.org.uk/data/briefings/nacro-2002062800-csps.pdf
Auch die Datenschutzgruppe nach Art. 29 der EU-Datenschutzrichtlinie hat einen Bericht vorgelegt, der sich mit Video-Ueberwachung von oeffentlichen Plaetzen beschaeftigt.
Online erhaeltlich unter
http://www.statewatch.org/news/2004/mar/wp89-video.pdf
Ich bitte Sie herzlichst sich meine Worte zu Herzen zu nehmen und bitte um Antwort.
Mit freundlichen Gruessen
M. Mosel
jegliche Ähnlichkeit mit diesem Schreiben ist reiner Zufall ;-)
Was mich ja doch sehr erfreute, war, dass ich tatsächlich eine Antwort erhielt:
Ihre E-Mail vom 27.8.2005
Sehr geehrter Herr Mosel,
nach unseren Erfahrungen sind die Sachbeschädigungen seit Aufstellung der Kameras zurückgegangen. Auch wird die (zeitweise) Videoüberwachung auf Wunsch von Schulen und Eltern eingesetzt, die damit verhindern möchten, daß z.B. Spielgeräte (die auch von Fördervereinen gekauft wurden) mutwillig zerstört werden. Ich werde Ihr Schreiben - auch wegen der darin enthaltenen weiteren Informationsmöglichkeiten - an die Schulen weiterleiten.
Mit freundlichen Grüßen
den Namen hab ich mal wegzensiert...
Da sieht man nur leider mal wieder, was wir ohnehin schon wussten... Nicht nur die Schulen haben keine Ahnung von Pädagogik, sondern auch die Eltern haben keine Ahnung wie sie ihre Kinder erziehen sollen und setzen daher halt lieber auf Überwachung... traurige Welt.
(und wenns so weiter gehts siehts hier auch bald aus wie auf diesem
Spielplatz in Hong Kong...)
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