Im Gegensatz zu der
Spontandemo von gestern, war die Demonstation heute in Marburg angemeldet. So zogen wir brav, ca. 2500 (?) Leute, durch die Marburger Stadt. Parolen wurden gerufen, es gab kurze Kundgebungen übers Megaphon und viel Gepfeife. Soweit eine normale Demo bis wir zum Rudolphsplatz kamen. Dort war massives Polizeiaufgebot (in voller Kampfmontur: Weste, Helm, Schild), was die Demonstranten daran hindern wollte, wieder den Weg zur Mensa und damit zur Autobahn einzuschlagen. Eine große Gruppe von Demonstranten versuchte daraufhin sich den Weg durch die Polizeiblockade zu bahnen. Es kam zu Rangeleien, bei denen ich bemerken mußte, dass so ein Polizeischild wirklich weh tun kann. Nach einigen Minuten relativ harmloser Rangelei (es war mehr ein Drücken und Schieben, dennoch bekam das Mädel neben mir relativ heftig eins ab) brachen die Demonstranten den Versuch des Durchbruchs ab und schlossen sich dem Rest der Demo Richtung HSG an.
Abschliessend ging es zur Abschlußkundgebung vors Hörsaalgebäude, wo einige Vertreter vom AStA und GEW Reden hielten. Nachdem der Klassenkampf ausgerufen wurde und französische Verhältnisse gefordert wurden, beschlossen viele ein weiteres mal die Autobahn zu blockieren. Einige Hundert Demonstranten brachen also auf, um zur Autobahn zu gelangen, um diese zu blockieren. Da bekannt war, dass die Mensabrücke abgesperrt war von der Polizei, versuchten sich die Demonstranten den Weg über eine andere Brücke zu bahnen. Diese Brücke war sehr schmal und die Polizei hatte (cleverer move) einen Bus genau auf der Mitte des Aufgangs zur Brücke platziert, was ca. nur noch 40cm Platz liess, um auf die Brücke zu kommen. Durch diese Lücke versuchten die Demonstranten sich ihren Weg zu bahnen... Es kam zu Rangeleien, Schlägen und auch Tränengas (oder Pfefferspray) wurde eingesetzt. Note to self: Tränengas schmerzt.
Der Versuch die Brücke einzunehmen war also gescheitert, was die Demonstranten aber nicht demotivierte. Schnell bahnten sie sich ihren Weg zum Bahnhof und schafften es dort (weil keine Polizei) die Autobahnauffahrt hochzulaufen und auf der Stadtautobahn B3 eine Sitzblockade zu errichten. Diese dauerte ca. 30 Minuten an, während derer sich ein Polizeihubschrauber näherte und auch schnell die Mannschaftsbusse der Polizei vor Ort waren. Den Blockierenden wurde öfters mitgeteilt, dass sie bitte die Autobahn zu räumen hätten, was sie anfangs ablehnten. Nach einigen Minuten dennoch brachen die Demonstranten ihre Sitzblockade friedlich ab, blockierten noch die Kreuzung vorm Bahnhof, zogen nochmal kurz durch die Oberstadt und ruhten sich am Marktplatz aus.
Mehreren Aussagen zur Folge, war dies die größte Demo, die Marburg in den letzten 10 Jahren gesehen hat. Mir ist bekannt, dass einige Leute mit dem Vorgehen der Demonstrierenden nicht einverstanden sind und gerade die Autobahn-blockier-Aktionen sehr kritisiert werden. Fakt ist, dass es Zeit wird den Widerstand nach aussen zu tragen. Wir könnten streiken, doch ein Streik wäre Uni intern und würde niemanden interessieren. Es geht also darum den Klassenkampf in die Öffentlichkeit zu tragen und manchmal muss man Opfer bringen, um seine Ziele zu erreichen.
Des weiteren waren beide Autobahn-blockier-Aktionen zumindest im Bereich der Studenten (also bei den Blockaden) sehr ungefährlich. Auch aufgebrachte Studenten schmeissen sich nicht einfach auf eine Fahrbahn, sondern warten eine passende Gelegenheit ab. Das es natürlich durch die Blockade einen Stau gibt und ein Stauende auch immer Gefahrenpotential birgt, weiss ich auch. Ich für meinen Teil denke, dass dieses Gefahrpotential durchaus kalkulierbar ist, gibt es Staus doch jeden Tag.
Die Proteste müssen weitergehen und sich zu Widerstand transformieren. Es muss ein heisser Sommer werden!
Bildung für ALLE!
Siehe auch
- hr-online:
Autobahnblockade und Uniboykott
- marburgnews:
Demo gegen Gebühren: Wieder Studis auf Autobahn
- Oberhessische Presse:
Massivere Proteste - Marburger Studenten gegen Studiengebühren
-Frankfurter Rundschau online:
Studentenprotest auf Stadtautobahn
Tags: Studiengebuehren, Uni Marburg, Marburg, Hessen, Demonstration
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Kommentare
meinereinerund deinereiner schrieb:
Wird Zeit das Ihr Studenten auch endlich aufwacht und es hoffentlich nicht vergesst wenn Ihr fertig seid und im Bürosessel sitzt!!!
Fight for your Right!!!!
Alexander schrieb:
http://www.jurabilis.de/ind...
Milan schrieb:
http://www.fr-online.de/fra...
Besonders toll finde ich ja den Kommentar des Herrn Spies.
Mike schrieb:
jo schrieb:
Klar, den kann man sich irgendwie herbeiideologisieren. Mag sein, dass das einige für ein politisches Selbstverständnis/Selbstwertgefühl brauchen.
Sicher, wenn die Proteste scheitern (und das ist leider absehbar, zumindest hier oben in NRW), kann man auf den versuchten Klassenkampf verweisen und schöne Anekdoten erzählen ...
ABER: Wäre es nicht sinnvoller den Protest auf einer breitere Basis zu stellen? Mag sein, dass man nur (noch) radikalen Maßnahmen Gehör findet (findet man imo aber nicht, man bekommt nur kurz ein wenig Aufmerksamtkeit.), aber durch die Radikalisierung des Protestes verbaut man sich wohl auch die Möglichkeit überhaupt (dauerhaft) eine kritische Masse zu erreichen.
@meinereiner und deinereiner: Das Argument, man könne/wolle sich nicht an den Protesten beteiligen, weil man diesen und jenen Schein nun noch brauche, um fix fertig zu werden, habe ich in den letzten Wochen zu oft gehört, um diesbezüglich noch an Solidarität zu glauben.
Die Diskussion hatten wir doch auch vor drei(?) Jahren bereits, als in NRW Gebühren für Langszeitstudenten eingeführt wurden. Waren damals ja nur "Bummelstudenten", betraf einen selber ja nicht, brauchte man als auch nicht für auf die Straße. Solidarität? Vergiss das, schnell ,(
Kasseler schrieb:
Mike schrieb:
Alexander schrieb:
Mike schrieb:
Alexander schrieb:
Mike schrieb:
Alexander schrieb:
Mike schrieb:
wie gesagt, ich habe grosse Probleme damit eine Demokratie als gelungen anzuerkennen, in der die Volksvertreter das Volk nicht vertreten, in der zigTausende ohne Krankenversicherung leben müssen, in der der Generationenvertrag vollkommen für den Arsch ist und die hessische Verfassung anscheinend auch... Das System hat sich einfach selbst korrupiert.
Mike schrieb:
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