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ProtestBlog - Gegen Studiengebühren und Bildungsabbau in Hessen

Kurzflmtage Oberhausen: INTERNATIONALER WETTBEWERB 3

05.05.2007 - 21:53:41 - Jasper
REVOLUTIONARY SONG (Istvan Kantor)

„I’ve partied really hard last night and now I gotta pay for it.“ So begrüsst der selbst im Kinosaal sonnenbebrillte Kantor das Publikum. Und wäre ich in seinem Zustand gewesen, ich hätte den Film nur ungern gesehen. Wir befinden uns im Reich der Videokunst. Aber der richtig guten. Das für die Reihe Sweet Sixteen gedrehte Bild- und Tonmonster springt den Zuschauer an und zerfetzt ihn. Riesige Schriften, wahlweise in Neon-Grün/Rot/Blau/Orange prangen auf der Leinwand, dazu eine Off-Stimme die vom Scheitern von Revolutionen berichtet und Bilder, die bis aufs Extremste manipuliert sind. Dazu ein Schnittrhythmus der sich mit dem Bass Drum-Spiel von Dave Lombardo vergleichen lässt. Die Off-Stimme erzählt in der ersten Person Singular (da der Regisseur den grössten Teil des Films über selbst im Bild zu sehen ist liegt die Vermutung autobiographisches zu sehen nahe). Zehn Jahre nach der Revolution in Ungarn besucht ein Junge seinen nach Paris ausgewanderten Vater. Der Junge ist nie zu sehen. Die Narration wird grösstenteils über den Gesang transportiert. Ja richtig, Gesang. Der Regisseur ist hier auch Sänger und beginnt zur Melodie eines sowjetischen Volksliedes zunächst mit einem Text der noch zur kämpferischen Melodie des Liedes passt. Wenn es dann jedoch dazu über geht, den Besuch bei seinem Vater in Paris zu schildern, wird es skurril. Der Vater kann die langen Haare des Jungen nicht ausstehen und will seinem Sohn einen Bürstenhaarschnitt verpassen. Damit zieht er den Zorn des Sohnes auf sich, der sich von nun an, singend vorgertragen in der Person des Regisseurs, wünscht, alle Revolutionäre würden sich in Paris vereinigen und durch das sprengen des Eiffelturms, das errichten von Barrikaden, das er erschiessen des Barbiers den Wunsch des Vaters zu vereiteln. Zwecklos. Aber zum Tränen lachen. Der mehr gebrüllte als gesungene Text ist dabei teilweise in erwähnten riesigen Neon-Buchstaben eingeblendet. Das erwähnen des „blue sky“ ist unterlegt mit dem blauen Wolkenhimmel aus welchem sich das Warner Brothers Logo schält (was wohl deren Rechteabteilung dazu sagt?). Kein Bild wird unberührt gelassen. Überall wird manipuliert, verzerrt, billigste Video-Post Production Effekte eingeschoben. Und durch dieses grosse Chaos entsteht etwas absolut lohnenswertes.

WE WILL WIN (Mahmoud Hojeij)

„No, i don’t trust Israelis. That’s my culture. We kill them. ... No I can’t kill them. Let’s sell them.“ Und wieder was komisches. Zwei Israelis und ein Araber sollen zum gegenseitigen Vertrauensbeweis ein Bockspringen veranstalten. Über 7’30’’ Minuten wird nun das Misslingen dieses Unternehmens gezeigt. Immer hält sich einer nicht an die Vereinbarungen, immer gibt es einen, der das Projekt in letzter Sekunde scheitern lässt. Dabei gestaltet Hojeij das Bockspringen derart feinfühlig, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, dieses mit all der Situationskomik hier zu beschreiben. Die drei Protagonisten drücken sich einen Spruch nach dem anderen, dass die Schwarte kracht. Prädikat: Besonders wertvoll. Wenn Gelegenheit: Ansehen.

LE JOURS (Maxime Giroux)

Dieser Film wird tageweise erzählt. Tag eins. Tag drei. Tag fünf. Tag neun. Tag fünfzehn. ... Eine junge Frau wird von einem Bären getötet. Der trauernde Vater besorgt sich daraufhin ein Gewehr und legt sich im Wald auf die Lauer um den Bären zu töten. Was hier noch recht komisch klingen mag, wird sehr feinfühlig inszeniert und hat echten Reiz. Der Stimmung und der Landschaft (verschneiter Wald, zugefrorener See) entsprechend hat der Film einen sehr ruhigen Fluss mit langen Einstellungen und viel Atmosphäre. Die 25 Minuten waren schnell vorbei. Der Vater muss die Mission erfolglos und gebrochen abbrechen. Gehört für mich auch zu dem Besten hier. Viel Gefühl und kein Kitsch. Eine Gratwanderung.
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