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ProtestBlog - Gegen Studiengebühren und Bildungsabbau in Hessen

Kurzfilmtage Oberhausen: DEUTSCHER WETTBEWERB 3

06.05.2007 - 16:18:11 - Jasper
CIGARETTA MON AMOUR – PORTRAIT MEINES VATERS (Rosa Ziegler)

In sehr poetischen s/w Bildern zeigt Ziegler ihren Vater, der in einem offenbar recht einsamen Lebensabschnitt all seine Zeit seiner einen grossen Leidenschaft widmet: Dem rauchen. Es ist kein Bild zu sehen in dem er nicht entweder raucht oder sich seine nächste Zigarette dreht. Der Sechsminüter ist absolut nonverbal. Dennoch passiert zwischen Bild und Ton viel. Der vornehmlich in Innenräumen spielende Kurzfilm wird auf der Tonebene ausschliesslich von Aussengeräuschen begleitet. Wenn der alte Mann sich in seinem Appartement befindet sind es Stadtgeräusche, Strassenverkehr in erster Linie. Bei den wenigen Bildern im Freien, dominieren Vögel den Ton. Der rauchende Protagonist macht den Eindruck, ein interessanter Mensch zu sein. Aber wie soll das bestätigt oder widerlegt werden können. Der Film wird ja ausschliesslich auf das Rauchen und das lustvolle Ausstossen und Beobachten des Zigarettenqualms reduziert. Dieser Mangel an Erklärunslieferung ist aber in keinem Fall störend. Vielmehr ist es herrlich diese absolute Konzentration auf dieses eine Element zu beobachten. Dabei wird ein grossartiges Spiel von Licht und Schatten eingesetzt. Die Blicke des Alten sind dabei verträumt bis verloren ins Leere gerichtet. Seine Wege reichen fast nur vom Bett, zur Fensterfront, zur Bücherwand. Zigarette um Zigarette um Zigarette. Ein tolles Beispiel wie aus einem kleinen Thema äusserst zurückhaltend etwas Wunderschönes gemacht werden kann.

LABILE ZONE (Christoph Janetzko)

Und wieder etwas aus dem Bereich Experimental. Im Zeitraffer ist schneller Wolkenzug zu sehen. Eine Landschaft ist an der unteren Bildkante zu sehen. Fast das ganze Bild ist Himmel. In Kombination mit dem Sounddesign entsteht so eine apokalyptische Stimmung. Immer wieder bricht aus den Wolken vereinzelter Regen hervor. Donnergrollen. Vereinzelt bricht die Sonne durch die Wolken. Das Bild wechselt durch die sich verändernde Wolkenkonstellation ständig in seiner Helligkeit. Und auch die Farben stehen in einem ständigen Wechselspiel zwischen bedrohlichem Grau, lichtem Gelb und unheilverkündenden Blautönen. Ich habs gemocht.

HOTEL PARADIJS (Jan Krüger)

Der 30minütige Film hat keine einheitliche Kameraarbeit. Es sind Bilder in s/w, in Farbe, feinkörnig und stark grobkörnig zu sehen. Die Geschichte: Ein junges schwules Päärchen, ein Holländer (Christiaan) und ein Deutscher (Paul), lebt in Amsterdam. Während die dominante Figur der Beziehung, der Holländer als Fotograf arbeitet, verdient sich der etwas jüngere Paul seine Brötchen in einem Kino als Kartenabreisser. Dort lernt er Clair kennen. Die beiden mögen sich. Er verbringt einige Nächte zusammen mit Claire in Amsterdam und vernachlässigt seinen Liebhaber. Die Freundschaft zwischen Paul und Claire scheint irgendwo zwischen Seelenverwandtschaft und sexuellem Verlangen zu liegen. Dabei ist es wieder Paul, der sich dominieren lässt. Claires Erwartungen an Paul und die Beziehung variieren ständig. Auch wechselt Claire häufig von einer starken zu einer schwachen Persönlichkeit und zwingt Paul damit immer wieder anders auf sie einzugehen. Schliesslich gesteht Paul ihr, dass er mit ihr leben will. Damit stösst er bei Claire auf Ablehnung. Sie lebe nie lange an einem Ort. Das ist Paul egal, er will auch mit ihr umherziehen. Claires Meinung ändert das nicht. Paul bricht das Verhältnis zu Christiaan ab und ist auf dem Weg zu Claire. Die jedoch ist nicht auffindbar. Lediglich ein kleines Motorboot mit dem die beiden eines Nachts in den Grachten Amsterdams unterwegs waren dümpelt lose im Hafen Amsterdams. Von Claire keine Spur. Die von Paul zu Hilfe gerufene Polizei nimmt ihn nicht ganz ernst. In Claires Zuhause, dem titelgebenden Hotel Paradijs, ist keine Spur mehr von ihr zu sehen. Paul ist in absoluter Einsamkeit, in unerfülltem Verlangen verloren. Krüger zeigt eine einfühlsam erzählte Geschichte, die für mich wieder ganz weit oben bei diesem Festival mitspielt.

BETWEEN C, D, AND F (Julia Oschatz)

Bisher glaube ich der kürzeste Beitrag den ich sah. Eineinhalb Minuten. In Landschaften, die in Öl gemalt sind, bewegt sich ein gedeckt gekleideter Mann, der einen Mauskopf trägt. Er bewegt sich gehend, fallend, mal konventionell, mal unkonventionell durch die Öl-Landschaften Mit einer Sprühdose steht er schliesslich frontal zum Publikum und sprüht in diese Richtung (also gen Publikum) in Spiegelschrift ein FUCK OFF auf eine imaginäre Glaswand, so dass es inmitten des klassischen Ölgemäldes prangt. War mal wieder was zum lachen.

DER HOLZMENSCHENBAUER (Katrin Jäger)

Dieser im Rahmen der ersten Kameraübung auf 16mm s/w an der HFF München entstandene Dokumentarfilm zeigt uns einen Mann, den nach Eigenaussage die Kunst gerettet hat. Früher war er als BGS-Beamter auf Anti-AKW Demonstrationen und musste Demonstranten mit deren Meinung er teilweise sympathisierte ‚bekämpfen’. Die Feststellung, dass er an diesem Leben zugrunde gehen würde und ein Traum über „Panzerkardinal Ratzinger“ (das führ ich jetzt nicht weiter aus) brachte ihn dazu, Baumstämme mit der Motorsäge zu menschlichen Skulpturen zu modellieren. Dieses Zuwenden zur Kunst habe ihn vor Alkohol und Drogen gerettet. Es erinenrt ein wenig an Don Quixote wie er einsam vor dem Baumstamm steht und fast tranceartig immer wieder die Motorsäge ansetzt und so selbst feinste Strukturen in seine Skulpturen zeichnet. Mir als Nichtbajuware fiel es meist einfacher den englischen Untertiteln zu folgen als dem polternden bayrisch. Für mich war es auch ein schönes Kontrastmittel, dieses bäuerische Sprachelement (ich will jetzt keine Hetze entfachen) mit diesen feinsinnigen Gedankengängen zu sehen. Äußerst klischeelos und von daher gut. Danke.
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