VALI ASR – JULI 2006 (Norman Richter)
Bisher der einzige richtige Stummfilm. Null
Sound. Ganz schön anstrengend. Immerhin ist meine Platznachbarin im Kino daraufhin eingeschlafen. Der Kurzfilm von 14 Minuten besteht aus unglaublich langen Einstellungen. Schiere Ewigkeiten lässt Richter die Bilder stehen. Und das obwohl die Bilder dies, bei flüchtigem Hinsehen, nicht unbedingt nötig gemacht hätten. Vali Asr ist die längste Straße Teherans. 24 Kilometer lang führt sie einmal quer durch die Stadt. Das lässt den Schluss zu, dass der Film dort gedreht wurde. Es werden abwechselnd Gesichter in nahen Einstellungen von IranerInnen und Pick Ups von einzelnen Gegenständen gezeigt. So entsteht eine Assoziationskette, die jeden Gegenstand dem zuvor gezeigten Gesicht zuordnet. Und so widerum beginnt bei jedem Gesicht die Antizipation beim Zuschauer, welchen Gegenstand er bei jedem Gesicht erwarten könnte. Schon kompromisslos, diesen Prozess über 14 Minuten zu zeigen, aber manchmal sollten Ideen eben kompromisslos ausgeführt werden.
DETEKTIVE (Andreas Goldstein)
Von deutschen Stasifilmen könnte man ja eigentlich fürs erste genug haben. KÖNNTE. Detektive ist eine teils richtig richtig komische Erzählung des Stasi-Spitzelwesens in der DDR. Zwei Detektive suchen eine Frau auf, deren schriftstellerischer Mann sich in den Westen abgesetzt hat. „Sie wissen warum wir hier sind?“ ist der Satz mit dem sich die beiden in ihre Wohnung einladen. In der Folge beginnt ein aberwitziges Spiel in denen Spitzel Spitzel anheuern, Spitzel zu Schriftstellern werden, jeder jeden duzt und mit Decknamen anredet, Spitzel mit Verdächtigen schlafen, skurrile Dialoge geführt werden und Fakten unwichtig sind, denn sie täuschen. Worauf es ankommt sind „Hintergründe, Nebensächlichkeiten, Psychologie“. Detektive ist s/w gedreht, und überrascht nach dem anfänglichen Crime Story Flair mit dem Überzeichnen der Realität in die Komik. Super.
Tags: Oberhausen, Kurzfilmtage.
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