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Games 2.0

29.01.2006 - 17:24:14 - Mike
Benjamin Birkenhake, vielen auch einfach nur als Ben bekannt, vom Weblog d-frag.de, einem Gruppen-Weblog über Computerspiele, Videospiele und Spielkultur, schreibt über Games 2.0.
"Games 2.0?? Was ist denn das schon wieder? Ich kenn nur Web 2.0." könnten jetzt viele denken. Daher werde ich versuchen - ob es mir gelingt oder nicht wird sich zeigen - ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Games 2.0 ist eine Bezeichnung für eine andere Sichtweise des Phänomens Web 2.0. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Was mit Web 2.0 gemeint ist, dürfte inzwischen jeder mitgekriegt haben. Web 2.0, das Ben auch so richtig als Buzzword entlarvt, beschreibt einen Paradigmenwechsel weg vom Web 1.0 mit seinen statischen HTML-Seiten, weg vom Web 1.5 mit seinen dynamischen HTML Seiten, hin zum Web 2.0 mit seiner Interaktion und extremen Vernetzung (social networking sei hier nur ein im Zusammenhang stehender Begriff). Beste Beispiele, die auch jeder kennen dürfte, fürs Web 2.0 sind wohl die wikipedia und flickr..., aber auch das relativ kürzlich neu geschaffene amiamo vom Nico Wilfer! Web 2.0 heisst also "mitmachen". Web 2.0 ist die Summe aller Bemühungen und aller Arbeit, die jeder einzelne Benutzer einbringt.

Doch zurück zum Thema: Was hat das alles jetzt mit Spielen (neudeutsch: games) zu tun?
Denken wir mal an ein typisches Computerrollenspiel: man steuert einen Charakter mit dem man sich selbst meist sehr stark identifiziert durch eine Welt von NPCs mit denen man kommuniziert, um Gegenstände/Aufträge zu erhalten und letztendlich, um Erfahrungspunkte zu sammeln und aufzusteigen. Ben führt sehr richtig aus, dass bloggen im Prinzip auch nichts anderes ist. Man bewegt sich durch eine Spielwelt, die Blogosphäre, redet mit anderen Spielern, den Bloggern, und versucht einen möglichst hohen Punktestand (neudeutsch: score), einen der vorderen Plätze in einer der vielen Top-Blogs-Listen, zu ergattern.

Doch bloggen hat gegenüber dem herkömmlichen MMO-Game diverse Vorteile: mehr Spieler (laut Ben ca. 22,6 Millionen), realistischere Charaktere mit einer jeweils individuellen Persönlichkeit und recht geringe Hardwareanforderungen. Ich schrieb weiter oben, dass Web 2.0 die Summe aller Bemühungen und aller Arbeit ist, die jeder einzelne Benutzer einbringt. Jeder Benutzer ist also sein eigener kleiner level-designer in seinem privaten Teil der Blogosphäre. So ist nicht nur jeder Spieler einzigartig, sondern auch jeder Level. Die Web 2.0-API ist sehr offen und so sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
"Web 2.0 ist nur ein Spielsystem und kein fertiges Spiel. Das System sorgt dafür, dass alle mitspielen können und dass jeder das Spiel seinen eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen anpassen kann, ohne den Anschluss an die anderen zu verlieren. Und gemeinsam bringen wir das Spiel voran."
[d-frag.de :: Games 2.0]

Das bedeutet den Tod der - durch die mainstream Computerspiele verursachten - Langeweile. Gegen Ende seines Beitrags beschreibt Ben die Utopie eines tatsächlichen Spiels, das tatsächlich durch die Anzahl und Kreativität der Spieler lebt. Jeder ist Leveldesigner für einen Teil des Spiels, den wiederum auch jeder besuchen kann. Die Spielwelt ist die Summe aller dieser Einzellevel. Die Grundmotivation dieses Spiels basiert auf der gleichen Grundmotivation, die auch die meisten Blogger haben: Eine Umgebung anzubieten, in der sich die Leute wohl fühlen, zu der sie wiederkommen und am besten auch noch, in der sie sich beteiligen (denn welcher Blogger freut sich nicht über Kommentare oder Trackbacks?). Was gibt es erfüllerendes als das Wissen, dass sich jemand in der von mir geschaffenen Umgebung wohl fühlt?

Doch so dumm sind die Spielehersteller auch nicht, schließlich haben sie inzwischen auch eingesehen, dass es nicht reicht den Spielern ein festes, starres Regelwerk zu bieten. In MMORPGs hat man zumeist sein eigenes Haus, also einen Raum, den man selbst gestalten kann und immer mehr Level-Editoren und Entwicklungswerkzeuge erhalten Einzug auf den CDs von Spielen. Der Spieler will und soll zum Entwickler werden, dadurch dem Spiel treu bleiben, weitere Spieler werben und den nächsten Teil kaufen. Doch von einer wirklich offenen API, einem wirklich offenen, veränderbaren Spiel sind wir noch weit entfernt..., doch Games 2.0 ist unterwegs. Es ist nur eine Frage der Zeit...

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