Ich bin soeben von der
Spontandemo im Anschluß an die
Vollversammlung am 11. Mai 2006 in der Uni Marburg zurückgekehrt.
Ich schätze, dass wir so ca. 700 Demonstranten waren. Die Route führte erst vom Hörsaalgebäude zur E-Kirche, hoch zum Marktplatz und von da runter und die Untergasse entlang zurück Richtung Mensa. Parolen, Trillerpfeifen wie man das halt von Demos kennt. Der Rudolphsplatz wurde - natürlich - auch wieder blockiert und der Verkehr zum Stillstand gebracht.
Dann rannte plötzlich eine Gruppe von Demonstranten Richtung Mensa und auf die Autobahnauffahrt. Der Rest der Demonstranten schloß sich zügig an und in kürzester Zeit war die B3, die Marburger Stadtautobahn, blockiert. Es kam weder zu Unfällen, noch Verletzten. Relativ schnell kam auch die Polizei und lenkte z.T. den Verkehr weg, inzwischen hatten die Demonstranten auch die zweite Fahrbahnseite besetzt und dort ebenfalls den Verkehr blockiert. Wir blockierten ca. 90 Minuten die Autobahn an der Ausfahrt, riefen Sprechchöre (auch im Pseudo-Kanon) und rätselten wie es jetzt wohl weiterginge. Zwischendurch kamen drei Polizisten, die uns aufforderten die Autobahn zu verlassen, ansonsten hielt sich die Polizei diskret im Hintergrund.
Irgendwann begann ein vager Vorstoß auf der Autobahn Richtung Bahnhof zu laufen, der allerdings erstickte, weil die Masse einfach nicht folgte. Stattdessen brachen wir wenige Minuten später auf der Autobahn Richtung Süden auf und verließen die Autobahn an der Ausfahrt "Gisselberger Straße". Von dort aus ging es zur CDU Parteizentrale in Marburg, wo die Polizei uns bereits mit versammelter Mannschaft in voller Kampfmontur (Weste, Helm, Schild) erwartete. Fluchs wurde noch schnell die nahestehende Kreuzung besetzt und die Polizisten mit Sprechchören besungen (wohlgemerkt zu einem kleinen Teil auch mit welchen, und das kann ich nicht gutheissen, die gegenüber Polizisten beleidigend waren). Ab hier nahm die Teilnehmerzahl rapide ab... und schließlich brachen wir Richtung Hörsaalgebäude - nochmal quer durch die Stadt - auf, wo sich die Demo dann auch rasch auflöste.
Ich bin gespannt, wie es am Freitag um 13 Uhr am Elisabeth-Blochmann-Platz weitergeht.
Kommt alle! Bringt jeden mit, den Ihr kennt!
Pressestimmen
Völlig anders liest sich
die Berichterstattung von FFH (rechts im Kasten auf "Studenten legen Marburger Stadtautobahn lahm" klicken) und der
Oberhessischen Presse. Davon, dass die Polizei nach einer Stunde die Demonstration auf der Autobahn auflöste, kann, wie ich oben beschrieb, nicht die Rede sein. Vielmehr entschlossen wir uns erst nach ca. 90 Minuten wohin die Reise jetzt gehen soll... ;-)
Dass FFH schreibt "In Marburg sind die Studentenproteste gegen die Studiengebühren am Abend eskaliert" ist auch ein Hohn. Von Eskalation kann nun wirklich nicht die Rede sein. Die gesamte Demonstration verlief meines Wissens nach sehr friedlich, es gab keine Verletzten, keine Sachbeschädigungen, keine Ausschreitungen, nichts (alles meines Wissens nach und alle Angaben ohne Gewähr). Wir blockierten halt eine Autobahn, ja.., aber dies würde ich nicht als Eskalation beschreiben.
Könnte es sein, dass FFH absichtlich auf eine solche Art über die Studentenproteste berichtet?
Siehe auch
-
Berichterstattung in der marburgnews, die ganz eindeutig am objektivsten ist bislang.
- Marburger Neue Zeitung:
Autobahn von 500 Studenten blockiert
-
Uebergebuehr - Marburg: 1500 Leute auf der Vollversammlung.
-
Indymedia: Proteste in Marburg gegen Studiengebühren.
- beim kapitalistischen Juristen Alex, gibt es, basierend auf diesem Blog Artikel, eine
große Übung im Strafrecht für alle Juristen ;-)
Tags: Studiengebuehren, Uni Marburg, Marburg, Hessen, Demonstration
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Kommentare
julia schrieb:
http://www.mittelhessen.de/... klingt auch ziemlich "militant". naja. man mag gar nicht mehr zum hundertsten mal den frankreich-vergleich anbringen.
hackerpschorr schrieb:
Hoffentlich spülen die Wasserwerfer bald den Dreck von der Strasse
Moe schrieb:
Björn schrieb:
http://agitpopblog.org/inde...
Thomas schrieb:
ABER wir dürfen uns dadurch in unserem Protest nicht spalten und auseinanderdividieren lassen. Als Studierende sind wir eine recht diverse Gruppierung und das macht ja unter anderem das Studieren auch aus, auf unterschiedlichste Menschen zu treffen und sich auszutauschen. Deshalb ist es aber auch logisch, dass es immer kleinere Meinungsverschiedenheiten geben wird.
Bei demn Protesten gegen die Studiengebühren jedoch ist es wichtig, dass wir unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen verlieren. Solidarität ist unsre Waffe, und gegen den burschenschaftlerisch fechtgeübten Sherrif Roland von Wiesbaden und seine üblen Schergen werden wir die ausgiebig und druckvoll einsetzen müssen, um etwas erreichen zu können!
Wir können dieses Gesetz stoppen, also lasst uns unsere Wut darüber auf die Strasse tragen und der Landesregierung zeigen, dass wir uns von ihnen nicht unsere Zukunft klauen lassen!
Studiengebühren und Sozialabbau stoppen! Bildung für Alle, sonst gbts Krawalle!
dice schrieb:
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