[...] Die Behauptung, daß die modernen, technisch hochgerüsteten Wohlstandsgesellschaften den Prozeß der Individualisierung oder Partikularisierung vorantreiben, ist nicht neu. Der durch die Aufklärung und die Massenmedien gestützte Universalismus hat diesem Prozeß entgegengewirkt, während heute dem Universalismus, wie er in den Verfassungen und Menschenrechten zur Geltung kommt, eine andere, differenziertere Ethik der Minderheiten entgegengesetzt wird. Ob diese Ethik aus den neuen Medien entsteht oder diese nur ein Niederschlag jener ist, sei dahingestellt. [...]"
[
Florian Rötzer (1996): Interaktion - das Ende herkömmlicher Massenmedien. In: Rudolf Maresch (Hrsg.): Medien und Öffentlichkeit. Positionierungen Symptome Simulationsbrüche, München: Boer 1996, S. 119-134.]
Interessant, doch was genau heißt das eigentlich?
Vorher im Text führt Rötzer aus, dass erst durch Zeitschriften und Bücher (insofern die Kulturtechnik des Lesens weit genug verbreitet war) die Aufklärung und der
Universalismus aufkamen, da viele Menschen mit exakt der gleichen Information versorgt werden konnten und sich daher eine große Öffentlichkeit bildete.
Dass diese große Öffentlichkeit durch neue, interaktive Medien rückläufig ist, kann ich ebenfalls gut nachvollziehen: Es gibt keine Fernsehsendung mehr, wie es am Anfang des Fernsehen der Fall war, die einfach alle erreicht. Jeder konsumiert andere Medien, selektiert andere Informationen und der gemeinsame kleine Nenner ist... nun ja... sehr klein.
Es konstituieren sich also sehr viele, deutlich kleinere Öffentlichkeiten, was wohl dem Begriff der Minderheit im Zitat entspricht.
Doch was genau ist mit einer Ethik der Minderheiten gemeint? Minderheitenschutz??
Julia Franz, Doktorandin an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Nürnberg, beschreibt in ihrem Artikel
"Praktiken des Bloggens im Spannungsfeld von Demokratie und Kontrolle" wie neue Medien, in diesem Falle speziell weblogs, aus ihren Benutzern Subjekte - im Sinne von Foucault - machen.
Ist diese Form der Subjektivierung genau das gleiche wie eine Individualisierung (und was ist überhaupt Partikularisierung?) oder lediglich eine Konsequenz daraus?
Fragen über Fragen, die sich heute, im Laufe meines Referatsgruppentreffens über den Text von Rötzer, hoffentlich noch klären werden... ansonsten freue ich mich über jeden, der/die was dazu beizutragen hat. :)
Fettgedrucktes bitte besonders beachten! ;)
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