Lost Highway (spoiler included!)
10.07.2006 - 23:07:31 - Mike
Heute in meinem Hauptseminar "Film Noir", gehalten von Dr. Burkhard Röwekamp, Autor des Buches "Vom film noir zur méthode noire. Die Evolution filmischer Schwarzmalerei", sprachen wir über den Film "Lost Highway" von David Lynch.
Folgender Text wird für alle, die den Film nicht kennen, absolut keinen Sinn ergeben..., aber zu versuchen die story zu erklären würde seeeehr lange dauern und ich weiss nicht einmal, ob es mir überhaupt gelingen würde...
Da wir uns im Seminar einig waren, dass bei Lost Highway die Narration am bemerkenswertesten ist, werde ich mich im Folgenden primär auf diese beschränken. Die grundlegendste Erkenntnis war, dass die Narration von Lost Highway keinen Sinn ergibt, anders formuliert: sie ist nicht konsistent. Es gibt gewisse logische Lücken und Inkonsistenzen, die nicht erklärt werden können.
So diskutierten wir relativ lange, ob der sog. Mystery Man lediglich ein psychologisches Konstrukt der gestörten Psyche von Fred ist, oder nicht. Wir kamen zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall sein kann, da Eddy am Ende, kurz vor seinem Tode, beide anspricht und fragt, wer er denn sei, ihn also auch sehen kann (was wohlgemerkt eine weitere Inkonsistenz ist, denn eigentlich müssten sich Eddy und der Mystery Man ja kennen). Punkte wie diesen, die einfach keinen Sinn ergeben, gibt es zu Hauf: Das Telefonat mit dem Mystery Man auf der Party, die Transformation von Fred zu Pete und wieder zurück, die zweite Frau auf dem Foto, die chronologische Abfolge des Films, etc.
Ausserdem spielt der Film stark mit Zuschauererwartungen, so werden immer wieder Dinge/Gegenstände/Gegebenheiten gezeigt, die der Hollywood-sozialisierte Zuschauer als mögliche Hinweise deutet, diese dann aber nie bedient. Der Film scheint also von Sinnangebote zu leben, die den Zuschauer bei Stange halten und ihm Orientierung bieten sollen, in Wirklichkeit aber keine sind. Es geht mehr um Vorstellungen und Assoziationen als um tatsächliche Inhalte.David Bordwell würde dies als filmischen Exzess bezeichnen.
Fazit:
Bei der Interpretation dieses Films, kann man folglich nicht die Narration als Werkzeug benutzen, sondern sollte sich die Struktur des Filmes näher anschauen.
Der Film ist ein stark formalistisch geprägter Film, dessen Struktur/Logik in Analogie zum Zerfall der Psyche des Protagonisten Fred zu sehen ist. Es handelt sich hierbei also um eine radikale Subjektivierung durch die Eindeutigkeit aufgelöst wird und sich die Realität nicht mehr nachvollziehen läßt.
Folgender Text wird für alle, die den Film nicht kennen, absolut keinen Sinn ergeben..., aber zu versuchen die story zu erklären würde seeeehr lange dauern und ich weiss nicht einmal, ob es mir überhaupt gelingen würde...
Da wir uns im Seminar einig waren, dass bei Lost Highway die Narration am bemerkenswertesten ist, werde ich mich im Folgenden primär auf diese beschränken. Die grundlegendste Erkenntnis war, dass die Narration von Lost Highway keinen Sinn ergibt, anders formuliert: sie ist nicht konsistent. Es gibt gewisse logische Lücken und Inkonsistenzen, die nicht erklärt werden können.
So diskutierten wir relativ lange, ob der sog. Mystery Man lediglich ein psychologisches Konstrukt der gestörten Psyche von Fred ist, oder nicht. Wir kamen zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall sein kann, da Eddy am Ende, kurz vor seinem Tode, beide anspricht und fragt, wer er denn sei, ihn also auch sehen kann (was wohlgemerkt eine weitere Inkonsistenz ist, denn eigentlich müssten sich Eddy und der Mystery Man ja kennen). Punkte wie diesen, die einfach keinen Sinn ergeben, gibt es zu Hauf: Das Telefonat mit dem Mystery Man auf der Party, die Transformation von Fred zu Pete und wieder zurück, die zweite Frau auf dem Foto, die chronologische Abfolge des Films, etc.
Ausserdem spielt der Film stark mit Zuschauererwartungen, so werden immer wieder Dinge/Gegenstände/Gegebenheiten gezeigt, die der Hollywood-sozialisierte Zuschauer als mögliche Hinweise deutet, diese dann aber nie bedient. Der Film scheint also von Sinnangebote zu leben, die den Zuschauer bei Stange halten und ihm Orientierung bieten sollen, in Wirklichkeit aber keine sind. Es geht mehr um Vorstellungen und Assoziationen als um tatsächliche Inhalte.
Fazit:
Bei der Interpretation dieses Films, kann man folglich nicht die Narration als Werkzeug benutzen, sondern sollte sich die Struktur des Filmes näher anschauen.
Der Film ist ein stark formalistisch geprägter Film, dessen Struktur/Logik in Analogie zum Zerfall der Psyche des Protagonisten Fred zu sehen ist. Es handelt sich hierbei also um eine radikale Subjektivierung durch die Eindeutigkeit aufgelöst wird und sich die Realität nicht mehr nachvollziehen läßt.









Kommentare
Jack schrieb:
Ich frage mich zwei Dinge: Wer finanziert eigentlich David Lynch Filme und ist es nicht unfair, einem Zuschauer etwas anzubieten, was er niemals durchschauen wird (und kann)? Vielleicht begebe ich mich da ja auch auf Glatteis und es gibt doch Möglichkeiten des "Verstehens" der Filme, so wie du sagst, indem man den Film einfach als Anreiz für Assoziationen und Vorstellungen sieht, wobei ich das aber wieder eher als schwammig empfinde. Vielleicht muss man sich bei Lynch einfach darauf einstellen, dass es keinen "Sinn" dahinter gibt, dass der Film keine Parabel auf irgendetwas Anderes darstellt, so wie man es gern haben möchte. Aber dafür fehlt wohl noch der passende, postmoderne Name.
ciao
Thomas schrieb:
Grüße,
Thomas
dice schrieb:
Mike schrieb:
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