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ProtestBlog - Gegen Studiengebühren und Bildungsabbau in Hessen

Das Private und das Öffentliche, Medienreichweite und die Textualität von weblogs

22.06.2005 - 21:56:36 - Mike
Moe schrieb kürzlich einen Beitrag in dem er sich drüber aufregte mokierte, dass es heutzutage anscheinend kein anderes Kriterium mehr gebe, "ob ein Beitrag oder Kommentar [Anm.: in einem weblog] 'gut' (im Sinne der Moeglichkeit einer konstriktiven Bezugname)" sei oder nicht. Daraufhin drehte sich die Diskussion in seinen Kommentaren primär darum, ob es wichtig sei wer eine bestimmte Aussage tätigt, oder nicht. Also, ob es einen Unterschied macht, ob ich anonym blogge oder nicht.
Ich hab zwar weder Ahnung vom Bloggen, noch von Medienwissenschaften, was mich aber nicht daran hindern wird trotzdem meinen Senf dazu abzugeben. =)

Mir sind dazu spontan ein paar Begrifflichkeiten aus meinem Studium eingefallen:
zur Beurteilung einer Äußerung, welche über ein Medium erfolgt, ist eindeutig die Medienreichweite wichtig. Fakt ist nun mal, dass Moe eine höhere Medienreichweite hat als ich. So werden (rein zahlenmäßig) mehr Leute seinen Beitrag zu diesem Thema lesen als dies bei mir der Fall ist (Trackback hin oder her). Die Anonymität würde da wohl recht wenig dran ändern, schätze ich mal. Denn macht es einen Unterschied bezüglich der Medienreichweite, dass ich jetzt weiß, ob Moe Stephan Mosel heisst, oder nicht? Ich glaube nein.

Die Textualität eines Mediums (zur Textualität des Films gibts hier was) wird auch davon mitbestimmt, in welchem Kontext die einzelnen Inhalte vermittelt werden.
Soll heissen, dass die Beiträge vor und nach dem Beitrag x, um den es sich handelt, seinen Text mit beeinflussen, da man grundsätzlich alles im Kontext sehen muss.
Eigentlich geht es ja noch weiter..., so wäre die Textualität des Beitrags ganz anders, wenn er denn z.B. bei dirksky erschienen wäre. Nicht nur, weil dirksky halt nicht Moe ist, sondern auch, weil der Beitrag in Dirkskies blog ganz anders situiert wäre zwischen den meist doch eher technischen Beiträge und weil Dirksky als weblogssystem pivot benutzt und nicht nucleus.

Kommen wir nun endlich mal zum eigentlichen Inhalt der Diskussion: der Thematik des Öffentlichen und Privaten. So las ich kürzlich bei John Fiske:
In einem Zeitalter, in dem alles gesagt und alles sichtbar gemacht werden kann, ist jener Kampf dringlich und unausweichlich, in dem es darum geht, zu wessen Bedingungen und aufgrund wessen Entschlusses etwas gesagt und etwas gesehen wird. Jene unsichere Grenze zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen übt deshalb eine so große Faszination auf uns aus, weil eine Kontrolle der Bewegungen über diese Grenze bestimmt, ob das Private als Zone der Einschließung [Getto] oder der Freiheit [Enklave] fungiert: sie bestimmt, ob das Publik-Machen eine Verletzung der Privatheit darstellt oder aber eine Behauptung der eigenen Rechte auf Anwesenheit im öffentlichen Raum.
[John Fiske in "Die Überwachung der Stadt: Weißsein, der schwarze Mann und demokratischer Totalitarismus"]

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Kommentare

Lia schrieb:

Das mit der Medienreichweite hat der Clay Shirky in seinen Power Laws http://www.shirky.com/writi... für die "blogosphäre" beschrieben, also nur zur Struktur der Vernetzung, ich glaub er bezieht es nicht auf den Kontext der Blogs.

Ich finds voll schwierig mit diesem Anonymitäts- und Öffetlichkeit- oder Privatheitsding. Was bedeutet Privatheit im Netz? Einfach nur anonym zu sein? Ist nicht im Netz erstmal alles öffentlich, solange es nicht Passwortgeschützt ist?
22.06.2005 22:34:44

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