Donnerstag Abend sprach als Letzter
Prof. Dr. James Paul Gee, der einigen bekannt sein dürfte durch die Bücher
What Video Games Have to Teach Us About Learning and Literacy und
Good Video Games and Good Learning: Collected Essays on Video Games, Learning and Literacy (New Literacies & Digital Epistemologies).
Seine Kernaussage war, dass Computerspiele Räume zur Verfügung stellen, in denen Menschen lernen können... und es ihnen Spaß macht. Er bezeichnet Computerspiele als ein Werkzeug, um komplexes Denken zu trainieren. Komplexes Denken zeichnet sich für ihn dadurch aus, dass über Systeme mit mehreren Variablen nachgedacht wird. Als Beispiel hierfür brachte er das Computerspiel
Portal.
Games Train Your Vision..., denn Avatare in Computerspielen sind nichts anderes als Werkzeuge, die spezielle Fähigkeiten besitzen. Da man als Spieler im Spiel erfolgreich sein möchte und es 'gewinnen' möchte, lernt man seine Umgebung anders wahrzunehmen: man lernt die Welt korrespondierend zu den Fähigkeiten des Avatars zu sehen. Avatare sind also Werkzeuge mit speziellen Fähigkeiten, die die Wahrnehmung des Spielers prägen, anders formuliert: Durch Avatare verändert sich die Wahrnehmung und dadurch der gesamte Umgang mit einem gegebenen Erlebnisraum.
Gees Meinung nach lernt man am besten durch Simulation von Erfahrungen und nicht nur durch Wörter.
So macht es ihm zufolge keinen Sinn erst das Handbuch zu einem komplexen Programm (nehmen wir mal als Beispiel Photoshop) zu lesen, ohne jemals mit Photoshop gearbeitet zu haben. Erst mit Photoshop arbeiten, Knöpfe drücken, Funktionen ausprobieren, mit dem Programm herumexperimentieren etc. und danach das Handbuch zu lesen, ist seiner Meinung nach vielversprechender, da es zu einem Aha-Effekt kommen wird. Erst durch die Erfahrung, machen die Wörter (des Handbuchs) Sinn.
Instead of learning facts, information, and theories first and then trying to apply them, the facts, information, and theories are learned and remembered because they were needed to play the game successfully.
Hier folgte ein kurzes Exkurs zu einer genaueren Definition von Erfahrung bis Gee schließlich zu seinem Endpunkt kam: Der Unterschied zwischen Simulationen und Spielen, die zweifellos beides komplexe Systeme seien, sei die Identifikation mit dem Avatar (oder mit seinen Fähigkeiten?, hier bin ich unsicher), die
Empathie für das komplexe System des Computerspiels verursache... und wer empathisch ist, beschäftigt sich deutlich intensiver mit Problemen als bei einer rein rationalen Herangehensweise, was Gee dazu hinriss den Gedanken zu äußern, ob nicht globale - die ganze Menschheit betreffende Probleme - besser in Form von MMORPGs gelöst werden sollten, als durch einzelne hoch-spezialisierte
thinktanks von Regierungen.
Wen dies alles genauer interessiert, der sollte diesen vorzüglichen Text lesen:
Shaffer, D. W., & Gee, J. P. (2005). Before every child is left behind: How epistemic games can solve the coming crisis in education. University of Wisconsin-Madison, Wisconsin Center for Education Research.
Technorati Tags: Computerspiel, James Paul Gee, Clash Of Realities, Lernen
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