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Mass Effect - KOTOR reloaded

05.08.2008 - 20:22:58 - Mike
Soeben glitten die letzten Zeilen der Credits von Mass Effect über meinen Monitor. Mass Effect war ein Spiel, auf das ich schon lange Zeit gewartet hatte, viel drüber gelesen hatte und schlussendlich für relativ wenig Geld auf ebay gekauft habe. Es zu spielen war ein Genuss mit nur leichten Abstrichen. Kritikpunkte gibt es nur wenige, diese wiegen dafür umso mehr (das suboptimale Inventory-System jetzt mal ausgenommen ;).
In der Überschrift bezeichne ich Mass Effect als KOTOR reloaded, was natürlich leicht provokant gemeint ist, denn Mass Effect (engl. wikipedia) ist ganz klar nicht nur eine Weiterführung von KOTOR. Es kommt zwar aus dem gleichen Hause (Bioware), was man schon merkt, spielt aber nicht (Gott sei Dank) im Star Wars (engl. wikipedia) Universum, benutzt ein verbessertes Gesinnungssystem und natürlich eine audiovisuelle Darstellung, die up-to-date ist. Das es nicht im Star Wars Universum spielt, ist definitiv eine Verbesserung. So ist es möglich und nötig etwas neues zu erfinden, da man sich nicht an Konventionen aus dem Hause LucasArts (die haben das afaik sehr stark den Finger drauf) halten muss, und nicht auf bereits etablierte Dinge zurückgreifen kann. Das Spiel - gerade Citadel Station - lebt von seinen Details... Radiosendungen, die man hört, eine Menge Texte, die es zum Lesen gibt mit sehr ausführlichen Beschreibungen über die Welt, erschaffen so eine diegetische, in sich konsistente, glaubhauft wirkende Welt. Creativity galore! Die Verbesserung am Gesinnungssystem ist nur klein, aber durchaus plausibel: statt gut und böse auf einer Skala darzustellen, gibt es nun hierfür zwei. Ein Massenmörder, der eines Tages beginnt gutes zu tun, bleibt immer noch ein Massenmörder.
Traurig ist nur, was ich eigentlich bei jedem Rollenspiel anprangere: Es gibt sehr viel local agency und keine global agency (ich hatte das schon mal ausführlich bei der Besprechung von Planescape Torment). Entscheidungen ohne global agency, also ohne langfristige Auswirkung, sind einfach keine richtigen Entscheidungen. Wen kümmert es, ob man die Geiseln rettet, eingesperrt lässt oder alle erschiesst, wenn abgesehen vom Gesinnungssystem dieses Ereignis nie wieder aufgegriffen wird im Spiel? I want choices that matter!
Ein bisschen ärgerlich fand ich auch die Spielzeit: So gibt es zwar unzählige Planeten, aber wenn man so wie ich, eigentlich nur die nötigsten besucht, weil selbst auf schwerster Schwierigkeit die Kämpfe zu leicht sind (und mein Hauptcharakter war nicht mal Soldier), ist man doch eine Spur zu schnell durch... Das Add-On Bring Down The Sky hatte ich zwar installiert, aber nie auch nur irgendetwas davon mitbekommen... das hätte man schöner machen können

Fazit: Sehr gutes Spiel, sehr tiefe Atmossphäre, gute audiovisuelle Repräsentation, aber mieses Inventory-System, bisschen zu geringe Spielzeit und immer noch keine Entscheidungen, die Bedeutung haben.
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