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	<title>Experimentelles &#187; Psychoanalyse</title>
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		<title>Der Dispositiv Begriff in der Medienwissenschaft, die nat&#252;rliche Kamera?</title>
		<link>http://www.experimentelles.org/2009/der-dispositiv-begriff-in-der-medienwissenschaft/</link>
		<comments>http://www.experimentelles.org/2009/der-dispositiv-begriff-in-der-medienwissenschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 Feb 2009 15:45:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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		<category><![CDATA[baudry]]></category>
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		<description><![CDATA[K&#252;rzlich hielt ich in einem Kolloquium einen Vortrag &#252;ber den wissenschaftlichen Wert des Dispositiv-Begriffs in der Medienwissenschaft. In voller L&#228;nge kann ich diesen hier nat&#252;rlich nicht wiedergeben, aber ich hoffe doch, dass ich zumindest einige Gedanken beleuchten kann. Widmen wir uns erstmal kurz der Definition des Begriffes &#8220;Dispositiv&#8221;. Def. Dispositiv: ein Begriff, der im Original [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>K&#252;rzlich hielt ich in einem Kolloquium einen Vortrag &#252;ber den wissenschaftlichen Wert des Dispositiv-Begriffs in der Medienwissenschaft.<br />
In voller L&#228;nge kann ich diesen hier nat&#252;rlich nicht wiedergeben, aber ich hoffe doch, dass ich zumindest einige Gedanken beleuchten kann. Widmen wir uns erstmal kurz der Definition des Begriffes &#8220;Dispositiv&#8221;.</p>
<blockquote><p><strong>Def. Dispositiv</strong>: ein Begriff, der im Original von Foucault stammt, um „die Einschreibung gesellschaftlicher Machtverh&#228;ltnisse in eine Ordnung aus Diskursen, Praktiken und Wissen, bei gleichzeitiger Verschleierung dieser Machtverh&#228;ltnisse“ (Neitzel 2000: 13) n&#228;her zu beschreiben. Baudry wandelte den Begriff ab, um „die von der Geisteswissenschaft weitgehend verdr&#228;ngte Ebene des Technischen ins Bewusstsein zu heben“ (Hartmann 2003: 65).<br />
Anders formuliert sagt Baudry also, dass das Subjekt im Zusammenspiel mit dem Basisapparat eines Mediums (beides zusammen ergibt das Dispositiv) Zielscheibe einer ideologischen Wirkung wird. </p></blockquote>
<h2>Psychoanalytische Filmtheorie</h2>
<p>Jean Louis Baudry war Vertreter der sog. psychoanalytischen Filmtheorie der 70er Jahre, die eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Film und Kino f&#252;hrte. Sie beruft „auf  verschiedene Basistheorien der Psychoanalyse, der Semiotik und des Marxismus“ (Lowry 1992: 117). Im Mittelpunkt stehen das Zuschauersubjekt sowie dessen Beziehung zum Basisapparat des Kinos (Dispositiv). Dabei werden &#252;ber den Zuschauer nur allgemein und h&#246;chst pauschale Aussagen gemacht. In erster Linie versucht sie herauszuarbeiten, wie das Unbewusste die Rezeption von Filmgeschehen unterst&#252;tzt bzw. wie Film und Kino unbewusste irrationale Prozesse beim Betrachter ausl&#246;sen und Filmschauen so zu einer lustvollen Erfahrung werden lassen.</p>
<h2>Baudrys Argumentation beim Kino</h2>
<p>Hier Baudrys Argumentation in allen Details wiederzugeben, w&#252;rde Seiten f&#252;llen, daher m&#246;chte ich mich auf das wesentliche beschr&#228;nken.</p>
<ul>
<li><strong>Realit&#228;tspr&#252;fung aufgehoben</strong></li>
</ul>
<p>Baudry f&#252;hrt aus, dass die Realit&#228;tspr&#252;fung im Kino – genauso wie im Traum – aufgehoben wurde. Der Zuschauer befindet sich im Kinosaal in einem abgedunkelten Raum, isoliert von der Au&#223;enwelt und hat eine feste Sitzposition inne, in der es sich relativ passiv verh&#228;lt (vgl. Baudry 1994: 1068). Das Subjekt ist nicht in der Lage, auf die wahrgenommenen Bilder einzuwirken oder die Perspektive zu ihnen zu &#228;ndern. Durch die Unbeweglichkeit des K&#246;rpers wird das Subjekt dem Schlafzustand angeglichen, was zus&#228;tzlich durch die Bilder, die es wahrnimmt, best&#228;rkt wird.<br />
Im Schlaf kann der Mensch tr&#228;umen. Den Traum bezeichnet Baudry – in Anlehnung an Freud – als eine „halluzinatorische Wunschpsychose“ (ebd.: 1063), einen „Zustand, in welchem die mentalen Vorstellungen f&#252;r Realit&#228;tswahrnehmungen gehalten werden“ (ebd.: 1063). Das Subjekt verf&#228;llt „in eine seinem Entwicklungsstand vorherliegende Position“, n&#228;mlich in „ein fr&#252;hes Entwicklungsstadium mit seinen eigenen Befriedigungsformen“ (ebd.: 1068). In diesem regressiven Zustand, der stark an die Fr&#252;hkindheit erinnert, k&#246;nnen Wahrnehmung und Vorstellung noch nicht unterschieden werden  (Lacansches Spiegelstadium). Diese Position – wie bereits ausgef&#252;hrt wurde – ist mit einem relativen Narzissmus verbunden. Die Unbeweglichkeit des K&#246;rpers verhindert dabei eine Realit&#228;tspr&#252;fung, da die Bilder, genauer: die Wahrnehmung, durch Handeln nicht beeinflusst bzw. zum Verschwinden gebracht werden kann (vgl. Richter 2001: 15).</p>
<ul>
<li><strong>prim&#228;re und sekund&#228;re Identifikation</strong></li>
</ul>
<p>Baudry greift nun auf Lacans Theorie zur&#252;ck und definiert prim&#228;re und sekund&#228;re Identifikation f&#252;r das Kino:<br />
Unter sekund&#228;rer Identifikation versteht Baudry das sich-identifizieren mit den Schauspielern auf der Leinwand, w&#228;hrend die prim&#228;re Identifikation die Identifikation mit dem Mechanismus der Darstellung (vgl. Zajc 1999: 10), mit dem transzendentalen Subjekt, ist. Ohne die prim&#228;re Identifikation ist die sekund&#228;re nicht m&#246;glich: Der Zuschauer identifiziert sich zuerst mit der Kamera und wenn diese Identifikation abgeschlossen ist, kann die sekund&#228;re Identifikation in Kraft treten. Die Identifikation mit den im Film abgebildeten Schauspielern – meist idealisierten und perfekteren Menschen (vgl. Creed 1998: 80) – (genauer: Identifikationsangeboten) erm&#246;glicht die sekund&#228;re Identifikation. Baudry glaubt, sich dabei auf Lacan st&#252;tzend, dass die prim&#228;re Identifikation dabei die st&#228;rkere ist, da er sie als „fundamentale Voraussetzung f&#252;r die Konstitution von Sinn in der Integration der ‚diskontinuierlichen Fragmente‘ [Anm. d. Autors: Einzelbilder] durch das ‚transzendentale Ego‘“ (Brauns 2003: 29 f) sieht. Daraus folgert, dass Baudry – und dies wurde ihm z.T. auch vorgeworfen – von konkreten Filmen abstrahiert, da tats&#228;chliche Inhalte sekund&#228;r werden, solange es noch Identifikationsangebote gibt (vgl. Lowry 1992: 119).</p>
<ul>
<li><strong>kreiert  ideales, transzendentales Subjekt</strong></li>
</ul>
<p>Baudrys Argumentation st&#252;tzt sich darauf, dass er behauptet, das Kino-Dispositiv sei insofern ideologisch, als dass es ein ideales, transzendentales Subjekt kreiere. Der Zuschauer nimmt im Verh&#228;ltnis zum Gesehenen, also dem Abgebildeten auf der Leinwand, eine Mittelpunktsposition ein. Damit wird „ein auf das Auge, das Subjekt, zentrierter Bildraum geschaffen“ (Brauns 2003: 26), aus dem die Welt zentriert und zusammenh&#228;ngend erscheint (Lowry 1992: 118) und dem Zuschauer ein Gef&#252;hl von Einheit und Kontrolle vermittelt.</p>
<blockquote><p>Die Medientechnik als solche wird als ideologisch betrachtet, da sie eine interpretierte Form der Realit&#228;t wiedergibt (vgl. Hartmann 2003: 64 f.), die aber nicht reflektiert wird. Die Zentralperspektive – in all ihrer K&#252;nstlichkeit – wird durch das Kino naturalisiert und „mit gro&#223;er Selbstverst&#228;ndlichkeit nicht als Codierung, sondern als ‚Gegebenheit‘ hingenommen“ (Nohr 2004: 106).</p></blockquote>
<blockquote><p>„Das Subjekt wird damit gewisserma&#223;en &#252;berw&#228;ltigt: Technik gilt nicht l&#228;nger als Mittel zu durchschaubaren Zwecken, sondern wirkt ebenso unbewusst wie umfassend, sie wird damit zur Ideologie, weil das medientechnische Apriori eben nicht reflektiert wird.“<br />
(Hartmann 2003: 65)</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Zentralperspektive – in all ihrer K&#252;nstlichkeit – wird durch das Kino naturalisiert und „mit gro&#223;er Selbstverst&#228;ndlichkeit nicht als Codierung, sondern als ‚Gegebenheit‘ hingenommen“ (Nohr 2004: 106).</p></blockquote>
<blockquote><p>„Das Subjekt wird damit gewisserma&#223;en &#252;berw&#228;ltigt: Technik gilt nicht l&#228;nger als Mittel zu durchschaubaren Zwecken, sondern wirkt ebenso unbewusst wie umfassend, sie wird damit zur Ideologie, weil das medientechnische Apriori eben nicht reflektiert wird.“ (Hartmann 2003: 65)</p></blockquote>
<p><a href="http://www.experimentelles.org/2009/das-computerspiel-dispositiv-analyse-der-ideologischen-effekte-beim-computerspielen/">F&#252;r eine Betrachtung des Computerspiel Dispositivs, bitte ich diesem Link zu folgen.</a> <small>Die angegeben Quellenangaben k&#246;nnen ebenfalls dem Link entnommen werden.</small></p>
<p>In meinem Beitrag zum Computerspiel-Dispositiv komme ich zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis hinsichtlich der ideologischen Wirkung des Computerspiel-Dispositivs, schlage aber einige m&#246;gliche Ergebnisse vor. Nach einem nochmaligen Studium des Beitrags &#8220;Wie „realistisch“ sind Computerspiele wirklich?&#8221; von Claudia Becker, welcher ebenfalls im <a href="http://www.vwh-verlag.de/vwh/?p=327">Sammelband</a> erschienen ist, glaube ich der Antwort n&#228;her gekommen zu sein: In Computerspielen wird bislang noch die Wahrnehmung des Filmbildes naturalisiert. Anders ist nicht zu erkl&#228;ren, wieso ich in Shootern Sonnenflecken auf der Linse habe, wenn ich direkt in die Sonne schaue&#8230; oder wieso das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nyquist-Shannon-Abtasttheorem">Shannon-Nyquist-Abtasttheorem</a> in Autorennspielen verwendet wird&#8230; oder wieso es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tiefenunsch%C3%A4rfe">Tiefenunsch&#228;rfe</a> beim Zielen in Shootern gibt. Computergraphik baut also auf den Prinzipien der photographischen Apparatur auf. Wie Claudia Becker so richtig ausf&#252;hrt, wird dies allerdings &#8211; anders als in der fotorealistischen Malerei &#8211; nicht mehr hinterfragt, sondern als normal &#8211; die Verwendung des Wortes &#8220;nat&#252;rlich&#8221; w&#228;re hier doppeldeutig &#8211; dargestellt.<br />
Ich prophezeie allerdings, dass dies in den n&#228;chsten zehn Jahren ein Ende haben wird, sobald Computerspiele in der Lage sind photorealistische Graphiken in Echtzeit zu erzeugen und somit Filmkameras perfekt simulieren k&#246;nnen. Sobald dieser Zeitpunkt erreicht ist, wird Graphik kein unique selling point mehr sein, woraus zwangsl&#228;ufig folgert, dass graphischer Stil, gameplay und Narration in den Vordergrund r&#252;cken werden&#8230;, was mit ein bisschen Gl&#252;ck zu einem Paradigmenwechsel hinsichtlich der Darstellungsweise von Computerspielbildern f&#252;hren wird.</p>

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</ul>

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